Neues Matador-Vorlagenkonzept

Vorstellung selbst entwickelter Modelle und deren Nachbauten.
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oelli
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Neues Matador-Vorlagenkonzept

Beitrag von oelli »

Liebe Matador-Gemeinde!

Wie ihr ja sicher schon bemerkt habt, liegt mir das Thema Matador-Vorlagen sehr am Herzen.
Als die Firma Matador Mitte der 1990er-Jahre die Matador-Kästen wieder auf den Markt brachte wurden die ursprünglichen Vorlagenhefte, die im Grunde denen der 1970er-Jahre entsprachen neu aufgelegt und den Kästen beigegeben.
Diese ursprünglichen Vorlagen sind im Grunde perspektivische Zeichnungen oder Fotos des Modells ergänzt durch Zeichnungen aus verschiedenen Ansichten (Grund-, Auf-, Seitenriss sowie Schnitten durch das Modell). Also so wie man auch technischen Konstruktionszeichnungen macht.
Neben der Handfertigkeit beim Bauen eines Matador-Modells lernt man dadurch auch insbesondere die räumliche Vorstellungskraft, das Lesen von Plänen, das immer ein gedankliches Übertagen mehrere zweidimensionaler Ansichten in eine dreidimensionale Welt und umgekehrt bedeutet.
Natürlich sollte man nicht vergessen, dass sicher einige Kinder aber durchaus auch Erwachsene mit dieser Art der Darstellung überfordert sind und sicher auch immer waren.

Das ist vielleicht der Grund warum man schon vor einiger Zeit bei Matador dazu übergegangen ist diese Vorlagen durch neu gestaltete bunte Hefte mit so einer Art Explosionszeichnung der Modelle zu ersetzten. Leider finde ich aber, dass diese neuen Vorlagen oftmals sehr unübersichtlich ausgeführt sind. Ein ständiger Wechsel der Perspektive macht das Verstehen dieser Anleitungen zusätzlich schwer und ist auch ästhetisch alles andere als ansprechend. Weiters weisen die aktuellen Vorlagen leider einige Fehler und auch erhebliche Lücken auf (keine Angabe wie die Schnüre zu führen sind usw.). Bewertungskommentare in Internet zeigen außerdem, dass Kunden die aktuellen Vorlagen nicht sehr schätzen und als wenig brauchbar und unverständlich beurteilen.

Deshalb bin ich gerade dabei verschiedene Matador-Vorlagenkonzepte zu erarbeiten und auszuprobieren.
Zuerst einmal vor allem für den Einsteiger und Anfänger, der erst in die Matador-Welt hineinwachsen will.
Dazu stelle ich hier ein neu entworfenes mittelschweres Modell "Drache" vor, das mit Explorer 318 (Matador Klassik Nr. 2) gebaut werden kann.
Ich habe dafür einerseits eine klassische Vorlage (im Stil der 1920er bis 1930er-Jahre) als auch ergänzend eine Schritt-für-Schritt-Bauanleitung erstellt.
Damit kann der geübte Matador-Bauer nach der klassischen Vorlage bauen und jemand der lieber geführt bauen will, kann mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung arbeiten so wie sie es vielleicht schon von LEGO gewohnt ist. Aber hoffentlich wird es damit dem neuen Matador-Bauer erleichtert sich in die Welt der klassischen Matador-Vorlagen spielerisch hineinzubegeben.
Denn Matador hat aufgrund der langen Geschichte einen riesigen Fundus an Vorlagen von sehr interessanten und auch komplexen Modellen, die alle in Form der klassischen Matador-Vorlage vorliegen. Es wäre schade wenn diese ungenutzt bleiben müssen, weil man nicht versteht sie nachzubauen.

Zum Aufbau der Schritt-für-Schritt-Anleitung: Sie ist im Gunde wie ein Comic ausgeführt, jeder Bauschritt befindet sich in einer Tafel (Panel). Diese werden von links oben nach rechts unten gelesen. Weiters ist der Aufbau in verschiedene Baugruppen unterteilt. Jede Baugruppe ist mit einem großen Buchstaben gekennzeichnet. Der erste Bauschritt für die Baugruppe hat den Buchstaben links oben grün umrandet und der letzte Bauschritt für die Baugruppe hat den Buchstaben rechts unten orange umrandet. Wird eine komplette Baugruppe mit einer anderen zusammengesetzt, so ist diese Baugruppe wieder mit dem selben Buchstaben dort im Bauschritt gekennzeichnet.

Die komplette Bauanleitung kann hier von meiner Matador-Homepage heruntergeladen werden:

https://www.murinsel.at/matador/Archive ... eitung.pdf

Bitte teilt mir Eure Meinung dazu mit!

Liebe Grüße,
Thomas Öllinger
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mmenedetter
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Re: Neues Matador-Vorlagenkonzept

Beitrag von mmenedetter »

Hallo Thomas!

Da hast Du Dir wirklich so Einiges überlegt!

Meine Meinung:

1 Seite "Klassik" ist ausreichend.
Da ist alles drin, was man braucht, um das Modell zu bauen.

Spätestens nach einigen Bauversuchen ist meiner Meinung nach jedes Kind in der Lage, danach den Drachen zu bauen.
Von der Schulung des 3-dimensionalen Vorstellungsvermögens brauchen wir da gar nicht diskutieren - das ergibt sich einfach...


Die "moderne" (9-seitige !!!) Schritt-für-Schritt-Anleitung a la LEGO finde ich dagegen schrecklich.
Eigentlich weiss man da erst ganz zum Schluss, was das werden soll.
Das Bauen wird damit auf ein rein automatisiertes "Zusammenstecken von Bauteilen" reduziert.
(Das schreckt mich schon seit Jahren bei den LEGO-Anleitungen)

Der Aufbau ist fest vorgeschrieben, Phantasie oder konstruktives Denken ist nicht gefordert.

OK - das bringt wirklich jedes Kind zusammen - aber: Der Schulungs-Effekt in Hinblick auf 3D-Denken ist nicht gegeben...

Gerade der didaktische Aspekt (der für Rudolf Kobuly von Anfang an dabei war!) wird bei der Schritt-für-Schritt-Anleitung vollkommen negiert.




Allein die Tatsache, daß eine Seite mit 3 Zeichnungen alle Informationen beinhaltet, ist doch schön!
1 3D-Ansicht, 2 Risszeichnungen - herrlich!

Abschließend:
Ich bin halt ein Klassiker und ein Fan der alten Anleitungen...




Liebe Grüße aus Wien
Michael Menedetter
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oelli
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Re: Neues Matador-Vorlagenkonzept

Beitrag von oelli »

Hallo Michael!

Vorerst einmal einen großen Dank, dass du dich an der der Diskussion hier beteiligst. Immerhin sind wir ja in einem Diskussionsforum.
Lass uns einmal folgendes festhalten: Wir hier sind (leider?) fast ausschließlich die "Alten", die mit dem klassischen Matador aufgewachsen sind und die ihn zu schätzen gelernt haben. Wir wissen auch was wir diesem Matador verdanken and welche Fertigkeiten wir damit erworben haben usw.
Ich bin in den 70er-Jahren mit Matador, LEGO, Matchbox, Play-BIG, playmobil, Märklin … aufgewachsen.
LEGO hatte schon damals diese Schritt-für-Schritt-Anleitungen. LEGO Technic gab es noch nicht aber schon die ersten Zahnräder, Lampen usw.
LEGO hat dieses System konsequent beibehalten und die Bauanleitungen von komplizierten Technic-Modellen umfaßt hunderte Seiten. Bei jedem Bauschritt ist sogar angegeben welche(s) Bauteil dazukommt usw. Das ist etwas für trainierte Affen und so fühle ich mich auch wenn ich sowas baue.

All deine kritischen Anmerkungen, dass man eigentlich nicht weiß was man da tut usw. stimmen zu 100%.

Lange dachte ich mir, wie kann es sein, dass so viele erwachsene Männer gerne diese teuren und auch oft sehr aufwendigen LEGO-Modelle zusammenbauen und sich dabei nicht langweilen oder intellektuell unterfordert vorkommen?
Deshalb verfolge ich jetzt schon seit einiger Zeit manche dieser LEGO-Kanäle auf YouTube und es hat sich folgende, fast einstimmige Erklärung ergeben:
Die meisten betreiben das als Entspannungsbeschäftigung, als eine Art Meditation. Teilweise sogar als Therapie gegen Angstzustände usw.! Da kommt ihnen das vorgekaute nachexerzieren der Bauschritte nur gelegen und sie können nebenbei sogar noch über Gott und die Welt quatschen, weil das Zusammenbauen sich wie z.B. auch das Autofahren großteils im Unterbewusstsein abspielt.

Es gibt aber auch von eingefleischten LEGO-Bauern schon Kritik, dass die Bauanleitungen heute schon zu primitiv sind und in zu viele Einzelschritte zerlegt werden (dank fast automatischer computerunterstützter Generierung ist das heute möglich).
In der Allgemeinmeinung gelten aber die LEGO-Bauanleitungen als das Beste das es gibt und sie werden oft als Vorbild für Anleitungen generell, auch aus anderen Bereichen herangezogen. Der Grundgedanke bei der LEGO-Bauanleitung ist die Einstiegshürde so niedrig wie möglich zu machen um möglichst viele Kunden zu haben.

Ich glaube man muß aber bei einer Bauanleitung folgende zwei Dinge auseinanderhalten:
Existiert die Bauanleitung weil ein Produkt nicht fertig geliefert wird und man es wohl oder übel erst selbst zusammen bauen muß. Hier geht es einem aber nicht um das Bauen sondern um das fertige Produkt und das Zusammenbauen ist eher ein notwendiges Übel. In so einem Fall ist man natürlich froh so eine Art LEGO-Anleitung zu haben, die man einfach abarbeitet kann ohne dabei viel Nachdenken zu müssen oder Fehler zu riskieren.
Bei einem Baukasten – glaube ich zumindest – geht es aber schon auch um das Zusammenbauen und vielleicht auch einigen darum eine gefinkelte Bauanleitung mithilfe der Bausteine in ein reales Modell zu verwandeln.
Ich hatte jedenfalls schon als Kind immer sehr viel Freude daran besonders komplizierte Matador-Anleitungen umzusetzen.

Matador hatte Ende der 70er-Jahre durchwegs die klassischen Zeichnungen manche waren noch aus den 20er-Jahren, manche wurden schon einmal überarbeitet um die Klemmhülsen einzuarbeiten aber grundsätzlich waren die alle gleich aufgebaut.
Anfang der 80er-Jahre wurde bei Matador unter Falk dann zuerst auf fotografierte Baustufen (bei komplizierteren Modellen vereinzelt noch ergänzt um einfache Schnittzeichnungen) gesetzt. Dies wandelte sich dann immer mehr in Richtung Explosionszeichnungen (aber auch die Modelle wurden dabei immer primitiver). Aber diese Explosionszeichnungen aus der Falk-Zeit waren zumindest schön ausgeführt und noch einigermaßen übersichtlich.
Hier ist so eine Vorlage aus der Falk-Zeit:
IMG_3116.JPG
IMG_3116.JPG (842.61 KiB) 265 mal betrachtet

Wie schon gesagt, setzte Tobias anfangs auf die existierenden "klassischen" Vorlagen aus den 70ern. Hat die aber mittlerweile gänzlich (durch vielleicht aus der Falk-Zeit inspirierte) Vorlagen mit Explosionszeichnungen (teilweise in "Sprechblasen") ersetzt.
Was hältst du von den aktuellen Vorlagen von Matador? Falls du keine solche hast, hier der Link zum Vorlagenheft des aktuellen Explorer 318 (Entspricht Matador Nr. 2):
https://www.matador.at/media/content/ba ... g-E318.pdf

Ich finde die total unübersichtlich und auch nicht ansprechend. Aber mit Explosionszeichnungen in etwas abgewandelter Form werde ich selbst auch noch einmal Versuche unternehmen.

Was ist jetzt los mit den Bauanleitungen? Was ist mit den Kindern? Kann man die alten, klassischen Vorlagen heute niemandem mehr zumuten?

Eine Meinung der "pädagogisch hochwertig"-Fraktion ist die, dass Bauanleitungen sowieso entbehrlich sind oder zumindest nicht so wichtig oder nur als grobe Ideenlieferanten für eigene Schöpfungen dienen sollen. Diese Ansicht halte ich für extrem problematisch.
Ich finde, dass das echte Nachbauen von Vorlagen mindestens genauso wichtig, vielleicht noch wichtiger wie das freie Bauen ist. Denn von Vorlagen, die ja meist von viel erfahreneren Leuten geschaffen wurden kann man als Kind (und auch noch als Erwachsener) einfach so viel erfahren und lernen wozu man mit reinem Selbstprobieren nie gekommen wäre. Die ganze Welt baut auf den übermittelten Erfahrungen anderer Zeitgenossen und unserer Vorfahren auf. Das sind auch die Vorlagen.
Somit halte ich Vorlagen für einen extrem wichtigen Teil eines Baukastens und entsprechend viel Sorgfalt sollte auch in sie gesteckt werden.
Ich sage wie es ist: Als Kind baute ich bei LEGO einmal das Modell nach der Vorlage, dann kam alles in die große Lego-Kiste und ich baute damit nach freien Stücken. Bei Matador baute ich als Kind fast zu 100% nach den Vorlagen, weil die so interessant und ausgefuchst waren. Davon profitierte ich sehr.
So gesehen wäre Matador nach der oben genannten Meinung schon als pädagogisch weniger wertvoll als LEGO betrachtet worden.
Trotzdem mag ich und interessiert mich Matador auch heute noch, LEGO aber nicht.

Tatsache ist, dass die "klassischen" Vorlagen aus dem Matador-Alltag, verschwunden sind. Kein Kind also damit mehr konfrontiert oder beglückt wird.
Ich bin der Letzte der Matador mittels durchgängiger Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf LEGO-Niveau herunterziehen will.
Deshalb war es mir auch besonders wichtig den klassischen Teil mit hinein zu nehmen. Vielleicht kann so eine Brücke geschaffen werden von dem was Kinder heute gewohnt sind, zu den klassischen Vorlagen, von dene es ja im historischen Matador-Fundus enorm viele gibt.
Ob das so funktionieren kann weiß ich auch nicht. Es ist einmal ein erster Versuch.

Nur so viel als Gedanken für den Tag!

Liebe Grüße,
Thomas Öllinger
mmenedetter
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Re: Neues Matador-Vorlagenkonzept

Beitrag von mmenedetter »

Hallo Thomas!

Ich habe mir jetzt mal die "Explorer 318"-Anleitung angeschaut.

Du hast vollkommen recht, die ist in vielen Teilen unübersichtlich & meiner Meinung nach in weiten Strecken informations-überladen.

Als Beispiel:
Bildschirmfoto 2021-05-25 um 19.56.30.png
Bildschirmfoto 2021-05-25 um 19.56.30.png (461.28 KiB) 262 mal betrachtet
Die Explosionszeichnung liefert keinerlei Mehr-Information, die für den Bau dieses einfachen Modells notwendig wäre.
Ob man für ein Modell wie die Leiter eine ganze Seite einer Anleitung aufwenden sollte, ist auch so eine Frage...


Dort, wo Teile der Konstruktion nicht sichtbar sind, machen Explosionszeichnungen aber durchaus Sinn.


Deine Idee, sowohl klassische als auch Schritt-für-Schritt Anweisungen zu kombinieren, ist auf jeden Fall sehr ok!




Die Meinung der "pädagogisch hochwertig"-Fraktion, daß Anleitungen überflüssig wären, ist meiner Meinung nach völliger Blödsinn, zumindest aus Sicht der Konstruktionsbaukästen.


Liebe Grüße aus Wien
Michael Menedetter
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Re: Neues Matador-Vorlagenkonzept

Beitrag von oelli »

Hallo Michael!

Ja, diese Leiter ist mir auch gleich aufgefallen.
Hier ist sowohl die unnötige Explosionszeichnung als auch die Darstellung der fertigen Leiter von einem falschen Blickwinkel gemacht, sodass es einerseits besonders unübersichtlich und andererseits auch ästhetisch nicht ansprechend ist.
Alle Seiten der Anleitungen sehen leider wie das reinste, wild zusammengewürfelte Chaos aus.
Es tut schon weh so etwas zu sehen.

LG Thomas
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