Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Vorstellung selbst entwickelter Modelle und deren Nachbauten.
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Hans52
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Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von Hans52 »

Heute werde ich mit der Vorstellung meiner Dampflokomotiven beginnen – als erste: die ÖBB 399, besser bekannt als „Mh6“ (M: Mariazellerbahn, h: Heißdampf, 6: 6.Lok dieser Serie)

Kurz zur Geschichte: die Lok wurde in den Jahren 1906-1908 in einer Anzahl von 6 Stück für die Gebirgsstrecke der Mariazellerbahn gebaut. Dort war die Lok aber nur wenige Jahre im Einsatz, da sie ab 1911 mit der Elektrifizierung der Strecke durch die E-1099 ersetzt wurde. Danach wurde sie auf die Waldviertler-Schmalspurbahn verlegt, wo sie auch heute noch in 2 Exemplaren im Einsatz ist (diese wird heute ebenfalls durch die NÖVOG betrieben). Die Mh6 wird auf der MzB (NÖVOG) für Dampfsonderzüge verwendet.

Was war die Motivation zum Bau des Modells? Wie ich zu Beginn der Vorstellung meiner Lokomotiven erwähnt habe, betreibe ich im Betriebszentrum „Laubenbachmühle“ der MzB jedes Jahr beim Weihnachtsmarkt einen Matadorstand, wo ich auch meine Matador-Lokomotiven präsentieren kann. Dort gibt es ein paar Buben aus „alteingesessenen“ Eisenbahnerfamilien, die mich bei jedem Markt fragten: „Und wann baust du die Mh6?“ Im Winter 2019/2020 habe ich mich endlich aufgerafft und das Projekt „Mh6“ begonnen und auch fertiggestellt (leider war die Präsentation im Dez. 2020 wegen Corona nicht möglich).

Jetzt zum Bau des Modells – grundsätzlich ist der Bau einer Dampflok wesentlich komplizierter als die kastenförmigen E- und Dieselloks.

Wie in Wirklichkeit ist auch beim Modell das Kernstück jeder D-Lok der Kessel. Diesen habe ich in „Matador-Bauweise“ angefertigt: an den Enden des Zylinders befindet sich jeweils eine 8er-Nabe, auf welchen im exakt gleichen Abstand 8 Streben befestigt sind. Da der Kessel der Mh6 einen recht großen Durchmesser hat (dafür braucht sie keine seitlichen Wasserbehälter), musste ich die Streben verbreitern. Dazu habe ich für jede Strebe eine weitere der Länge nach aufgeschnitten und die schmalen Streifen links und rechts angeleimt. Danach wurden die verbreiterten Streben an den Kanten exakt im Winkel von 22,5 Grad zugeschnitten (dazu verwende ich eine kleine Präzisionskreissäge von prox...). Bei der Montage auf die 8er-Naben wurden die Streben an den Kanten verleimt (im Foto 1 ist der Aufbau gut zu sehen). Vorne und hinten wurde der Kessel mit einem 3er-Rad, welches ich 8-eckig zugeschnitten habe, abgeschlossen.

Als Träger der Lok wurde ein 16er-Klotz verwendet, auf welchem der Kessel und das Führerhaus aufgesetzt sind. Auch die 4 Achsen sind in dem langen Klotz montiert (> ein „Vierkuppler“, auch als D-Laufwerk bezeichnet). Eine Besonderheit bei der Mh6 ist der „Stütztender“ (Lok und Tender sind im Führerhaus drehbar verbunden, wer mehr wissen möchte – bitte bei „Wikipedia“ nachschlagen). Auch ich habe bei meinem Modell versucht, diese Konstruktion zu verwirklichen (eine detaillierte Beschreibung würde allerdings diesen Rahmen sprengen). Der Rest der Aufbauten war „Bastelarbeit“ - teilweise mit selbst gedrechselten Teilen. Noch ein Hinweis zu den Spurkranzrädern: da die 2er-Räder zu klein und die 3er-Räder zu groß sind, habe ich diese aus 3er-Rädern grob zugeschnitten und danach den Spurkranz gedrechselt.
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Konstruktion des Kessels
Konstruktion des Kessels
Mh6 - 1.JPG (682.15 KiB) 472 mal betrachtet
man beachte den Tender, der in das Führerhaus "hineingebaut" ist
man beachte den Tender, der in das Führerhaus "hineingebaut" ist
mh6-2.JPG (722.79 KiB) 472 mal betrachtet
fertig, aber unlackiert
fertig, aber unlackiert
Mh6-3.JPG (749.38 KiB) 472 mal betrachtet
Mh6 - fertig lackiert
Mh6 - fertig lackiert
Mh6-4.JPG (694.11 KiB) 472 mal betrachtet
Hans52
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Re: Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von Hans52 »

Weiter geht es mit der BR 298

Nachdem der Bau der Dampflok Mh6 recht gut geklappt hatte, habe ich die ÖBB-298 gebaut, auch als Reihe „U“ bekannt. Das „U“ steht für Unzmarkt, dem Ausgangspunkt der Schmalspurlinie durch das obere Murtal bis Tamsweg.
Die 3-Achsige Lok (C1-Laufwerk) wurde auf allen Schmalspurbahnen in Österreich eingesetzt und wurde in einer Anzahl von ca. 50 Stück gebaut.

Zum Bau des Modells: Der Kessel wurde wie bei der Mh6 gebaut, hat aber einen kleineren Durchmesser mit seitlichen Wasserbehältern. Diese bestehen aus verbreiterten Streben, die mit 2mm dicken und ca.15mm langen Metalldübeln am Kessel befestigt und angeleimt sind. Die Dübel stellte ich aus Draht von den Metall-Kleiderbügeln aus der Kleiderreinigung her. Voraussetzung für den Anbau ist das Schneiden eines 45-Grad-Winkels der Längskanten und das exakte Bohren der Dübellöcher. Der Rest der Auf- und Anbauten war schon fast „Routinearbeit“.

Nach Fertigstellung bemerkte ich leider, dass das Führerhaus etwas zu klein/kurz geraten war. Inzwischen wurde im März 2020 der 1.“Corona-Lockdown“ verfügt und ich wollte in dieser Zeit die Lok als „Versuchslok“ mit der „Heusinger-Steuerung“ ausrüsten (wer mehr dazu wissen will, bitte bei Wikipedia nachsehen; siehe auch Anmerkung am Ende dieses Beitrages)

Nur kurz zur Erklärung: Das ist das Gestänge/die Schieber im oberen Zylinder, mit welchen der Dampfzulauf in die unteren Arbeitszylinder geregelt wird. Diese Steuerung ist bei der Dampflok aus der Vorlage 8, Nr.801 (Korbuly-Zeit) sehr gut verwirklicht bzw. abgebildet. Dabei sind die beweglichen Teile alle mit 4er-Naben ausgeführt. Das war bei meiner wesentlich kleineren Lok natürlich nicht möglich, ich musste daher eine neue „Konstruktion“ mit kleineren Bauteilen „erfinden“. Ich habe dabei mehr als zwei Wochen probiert und herumgetüftelt bis es einigermaßen auf einer Seite der Lok funktionierte. Auf der anderen Seite müssen die Räder um 90 Grad versetzt sein.

Hier gab es ein neues Problem: sobald ein Rad nicht mehr in der richtigen Stellung lief, hakte und spießte sich das Ganze! Bei einem Gespräch mit einem neuen Matadorfreund stieß ich auf die „Mitnehmerhülsen“ aus der Falk-Zeit. Ich habe dazu bei den bereits vorhandenen Spurkranzrädern mit einem ganz schmalen Stemmeisen die erforderlich Kerben angebracht. Wichtig dabei war, dass diese Kerben bei den Rädern auf einer Seite der Lok um 90 Grad versetzt wurden. Nach dem Einbau der Achsen/Räder und Montage der Kuppelstangen sind alle Räder unverrückbar miteinander verbunden! Danach wurden wieder die Steuerungsgestänge angebaut – und das Ganze funktionierte nach gewisser „Feinabstimmung“ problemlos!

Anmerkung:
In dem Beitrag von Franz Meyer „Die Ära der Dampfmaschinen“ (auch in dieser Rubrik) ist bei der Güterzuglokomotive BR 80 die „Heusinger-Steuerung“ verwirklicht. Wie ich erst später gesehen habe, bin ich bei meiner Konstruktion fast genau zur gleichen Lösung gekommen. Wenn ich dieses Modell früher gesehen hätte, hätte ich nicht so lange „herumprobieren“ müssen!
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die fertige Lok 298
die fertige Lok 298
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Die "Heusingersteuerung" ist montiert
Die "Heusingersteuerung" ist montiert
DLok 298-3.JPG (767.5 KiB) 439 mal betrachtet
Gestänge abgenommen, beim mittleren Rad ist die Achse mit den 2 Rillen erkennbar, am hinteren Rad sieht man die "Gegenkurbel"
Gestänge abgenommen, beim mittleren Rad ist die Achse mit den 2 Rillen erkennbar, am hinteren Rad sieht man die "Gegenkurbel"
DLok 298-4.JPG (777.55 KiB) 439 mal betrachtet
Gestänge der "Heusingersteuerung" und Rad/Achse mit der "Mitnehmerhülse"
Gestänge der "Heusingersteuerung" und Rad/Achse mit der "Mitnehmerhülse"
DLok 298-5.JPG (708.41 KiB) 439 mal betrachtet
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oelli
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Re: Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von oelli »

Hallo Hans!

Sehr interessant, wie du das Steuerungsgestänge realisiert hast. Und auch die Verwendung der speziellen Klemmhülsen aus der Falk-Zeit.
Deine Modelle werden immer aufwändiger.
Vielleicht kannst du auch die braunen Vorstecker aus der Falk-Zeit verwenden, eventuell sehen die passender aus als die grünen.

Ich bin derzeit auch dabei mit dem Herstellen eigener Bestandteile herumzuexperimentieren.
Verwendest du bei deinen selbst erstellten Bauteilen bestehende Matador-Teile als Ausgangsmaterial, die du dann veränderst oder erstellst du die komplett selbst?

Jedenfalls hast du da schon einige schöne Modelle entwickelt und dabei sehr viel Zeit investiert.
Hoffen wir also, dass du sie heuer zu Weihnachten wieder präsentieren kannst.

LG Thomas
Hans52
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Re: Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von Hans52 »

Hallo Thomas!
Danke für die Anerkennung meiner Modelle/Lokomotiven.

Für meine selbst hergestellten Bauteile verwende ich großteils Matador-Material. Die Pleuelstangen fertige ich wie folgt an: ich verwende dazu Brettchen, an denen ich vorerst an den Kanten die Bohrungen herstelle und anschließend dünne Streifen mit meiner kleinen Kreissäge herunterschneide. Für die Rundteile mit größerem Durchmesser verwende ich auch Material aus der "Ki-Serie".

Nur in wenigen Fällen kaufe ich Material zu, z.B. 3mm dicke Buchenleisten - siehe Lok-Mh6, an der Seite am Kessel angbracht.

LG Hans
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Re: Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von Hans52 »

Liebe Matador-Gemeinde!

Heute werde ich meine letzt-gebaute Dampflok vorstellen: die ÖBB 498.

Die folgenden Angaben habe ich aus der Eisenbahn-Literatur entnommen: Die 498 ist eine Weiterentwicklung der 298/U auf dem bewährten
C1-Fahrgestell. Von dieser Lok wurden 1928-1931 insgesamt 9 Stück gebaut, 8 für die ÖBB (damals BBÖ) und eine für die Zillertalbahn. 6 Stück erhielten die „Caprotti-Steuerung“ und die letzten 3 die „Lentz-Ventilsteuerung“. Vermutlich wird die Lok auf der Zillertalbahn noch heute im Museumsbetrieb eingesetzt.

Bei der 498 war der Kessel etwas höher gesetzt und etwas wuchtiger, dadurch erhielt die Lok ihr charakteristisches Aussehen. Warum ich gerade diese Lok gebaut habe? Nachdem meine Aufmerksamkeit bei der 298 der "Heusingersteuerung" galt, wollte ich diesmal einfach eine „schöne“ Lok bauen.
Der Bau erfolgte grundsätzlich wie bei den beiden anderen Loks, nur habe ich mich diesmal mehr auf eine einigermaßen maßstabgetreue Ausführung konzentriert (M ca. 1:30).
Damit ist vorläufig das Kapitel „Lokomotiven“ abgeschlossen. Für den nächsten Winter plane ich, in eine der Dampfloks einen E-Motor einzubauen.
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Dampf-Lok 498
Dampf-Lok 498
100_3932.JPG (542.14 KiB) 308 mal betrachtet
Dampf-Lok 498
Dampf-Lok 498
100_3933.JPG (470.41 KiB) 308 mal betrachtet
Dampf-Lok 498 mit Kohlenbunker
Dampf-Lok 498 mit Kohlenbunker
100_3934.JPG (449.5 KiB) 308 mal betrachtet
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oelli
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Re: Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von oelli »

Hallo Hans!

Danke, dass du deine umfangreiche Sammlung an selbst entwickelten Modellen hier vorgestellt hast! Da sind auch einige inspirierende Bautechniken und Anpassungen von Bauteilen dabei. Auch die Informationen zu den nachgebildeten Originalen war sehr interessant. Besonders natürlich wenn man sich wie ich für Dampflokomotiven interessiert.

Das Thema mit der Motorisierung der Lokomotiven wird sicher spannend. Bei den Schmalspurloks ist ja auch nicht so viel Platz dafür vorhanden.
Wie willst du das Theme Stromzuführung und Geschwindigkeitsregelung angehen? Versorgung der Lok über die Schienen wie bei klassischen Modelleisenbahnen oder über einen eingebauten Akku und dann Regler und Fernsteuerung? Ich finde ja die Variante über die Schienen sinnvoller.
In den 30er-Jahren haben sie bei Matador sowas damit gelöst, dass sie Weißblechstreifen mit L-förmigem Profil auf die Holzschienen aufgeklemmt haben um den Stromfluß zu ermöglichen. Das Weißblech wurde mittels hölzerner Distanzbrettchen immer dort wo Schwellen waren eingeklemmt. Also im Querschnitt gesehen: Holzschiene-Blech-Distanzbrettchen-Blech-Holzschiene. Dann gab es da auch Spurkranzräder mit Metallkranz. Von dort wurde über Schleifer der Strom abgenommen oder aber über Schleifer direkt von den Schienen.
Direkt von den Schienen mittels Schleifer abnehmen klingt für mich einfacher, könnte aber eventuell bei Kurven zu einem Problem werden.
Damals waren die Schienen aber 3,5mm stark, die späteren sind ja nur 2,5mm dick, was die Sache sicher nicht einfacher macht.
Wie gut das alles für Kurven und dann vielleicht noch Weichen funktioniert hat weiß ich auch nicht.
Die Schmalspur von Matador hat ja eine Spurweite von 34mm, ich weiß nicht, ob es solch eine Spurweite als Standard bei Modellbahnen gibt, denn dann könnte man einfach diese Schienen verwenden.

Ich bin gerade dabei mir neue Matador-Schienen herzustellen. Wenn ich genug habe möchte ich auch mal mit Elektrifizierung experimentieren.

Liebe Grüße,
Thomas
Hans52
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Re: Meine Schmalspur-Dampflokomotiven

Beitrag von Hans52 »

Hallo Thomas!

Danke für deine Anregungen, aber soweit möchte ich gar nicht gehen. Mir würde es genügen, wenn ich in eine Dampflok einen batteriebetriebenen Motor einbauen und damit 1-2 Meter bei meinen Ausstellungen bzw. beim Weihnachtsmarkt fahren kann. Für das Umschalten werde ich den Matador-Polwender verwenden.

LG Hans
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